Dem VW Golf Numero Acht bläst eine wahrlich steife elektrische Brise aus dem eigenen Haus um die Ohren. Dennoch sind wir uns sicher, dass es auch eine Nummer neun geben wird.


Rein optisch ist sich der Bestseller von VW treu geblieben – sieht man vielleicht vom leicht geschärften LED-Blick ab, haben sich die Volkswagen-Designer hartnäckig an die gelernten Proportionen gehalten – alles andere wäre auch fahrlässige Themenverfehlung gewesen – schließlich muss man den Golf ja auch auf Anhieb als solchen erkennen. Dementsprechend blieben auch die Abmessungen außen und innen weitgehend gleich – was kein Fehler ist, war doch schon der Siebener rundum homogen gezeichnet und mit ordentlich Platz ausgestattet.

Während das Outfit nur mäßig spannend erneuert wurde, hat VW das Bedienkonzept völlig umgekrempelt.
Nimmt man im Achter-Golf platz, erschlägt einem die nahezu „Knopf“-lose Architektur des Interieurs. Sogar der Zündschlüssel hat seine haptischen Tasten verloren. Der neue Golf wird fast ausschließlich über Touchscreens (Infotainment) und berührungsempfindliche Oberflächen (Heizung, Lautstärke, Licht,…) bedient. Einzige Ausnahme ist das Multifunktionslenkrad, welches aber im Golf schon immer üppigst mit Bedientasten versehen war. Grundsätzlich hat sich Volkswagen sehr bemüht, das Ganze logisch und einfach zu gestalten – Smartphone-Nutzer werden da wohl keine Probleme haben – nur leider lenkt die Bedienung dann doch ziemlich vom Verkehrsgeschehen ab.


Eigenartig, dass man das Telefonieren mit dem Smartphone im Auto verbietet und dann aber dieselbe Bedienweise in einem Auto fix verbaut.

Wir haben uns den kleinen Diesel Golf näher angesehen – wobei klein eigentlich gar nicht stimmt. Immerhin bietet der VW Golf TDI jetzt satte zwei Liter Hubraum und ordentliche 115 PS. Dank Twin-Dosing Verfahren gehört der neue TDI zu den saubersten Selbstzündern am Markt. Auch beim Verbrauch hält er sich eisern zurück – wir kamen mit unter fünf Litern Diesel pro 100 Kilometer über die Testrunden. VW Dieselskandal hin oder her – der neue TDI Motor von VW macht seine Sache mehr als gut. Er läuft ruhig, zieht toll durch und harmoniert perfekt mit dem präzisen Sechsgang-Schaltgetriebe.


Auch fahrdynamisch hat sich gegenüber dem Vorgänger nicht viel geändert. Der VW Golf TDI ist ein Muster an Ausgewogenheit – manche mögen das langweilig empfinden – für die kommen aber noch jede Menge sportliche Ableger vom GTI, über den GTE bis zu R auf den Markt. Unser Test-Golf rollt sanft ab, federt alle Straßenunebenheiten gut weg und bleibt aber dank der zielgenauen Lenkung dennoch sehr präzise. Besitzer des Siebener Golfs werden jedenfalls nicht viel zu bekritteln haben.


Fazit:

Ein Golf ist ein Golf ist ein Golf… es ist halt komisch, dass VW das viel gelobte, durchgängig einfache Bediensystem des Vorgängers gekübelt hat. Vielleicht will man da die Kunden schon auf den ID3 einstimmen, der ja – geht es nach den Konzernstrategen – irgendwann den Golf ablösen soll. Man munkelt da sogar schon vom letzten Golf – naja, gegessen ist die Sache noch lange nicht – wir sind uns ziemlich sicher, dass es auch eine Nummer neun geben wird. Die ist dann wahrscheinlich noch ein bissl mehr elektrifiziert und digitalisiert, aber dennoch wieder ein echter Golf.


Der getestete VW Golf TDI steht mit Handschaltung ab EUR 29.390 in der Preisliste.