Bei Volvo schreitet die Hybridisierung der Modellpalette flott voran.

Der Plan ist, in jeder Modellreihe mindestens ein Plug-in-Hybridantrieb anzubieten – die zweite Maßnahme betrifft die bestehenden Verbrennungsmotoren. Denen werden Mildhybrid-Systeme zur Seite gestellt, die die beim Bremsen gewonnene Energie in Strom umsetzt und beim Beschleunigen wieder abgibt.

Den Auftakt bilden der Volvo XC90 sowie der XC60 mit Dieselmotor – auch die Benziner folgen in Kürze. Diese Mildhybrid-Modelle sind an einer neuen Typen-Nomenklatur auf der Heckklappe zu erkennen. Sie tragen ein „B“ für Brake by Wire.  Leicht irritierend ist nur, dass ein B5 sowohl ein Benziner, als auch ein Diesel mit Mildhybrid-Unterstützung sein kann. Da kommt wohl noch jede Menge Aufklärungsarbeit auf den Volvo-Vertrieb zu.

Fakt ist, dass sich ein kompetenter Dieselmotor und ein fein abgestimmtes Mildhybrid-System ausgesprochen gut verstehen, dies beweist der Volvo XC90 B5, welchen wir für einen Intensivtest von Volvo Car Austria erhalten haben. Das B5 Motorengespann leistet kraftvolle 235 PS (173 kW) und soll laut Volvo im XC90 für einen Normverbrauch von rund sechs Litern pro 100 Kilometer sorgen. Aber fangen wir von vorne an.

Schauen wir uns den Volvo einmal näher an. Unser Testgerät ist zwar ein typisches für die Pressearbeit herausgeputztes Highend-SUV, dennoch darf man annehmen, dass diese Konfiguration auch der werten Volvo-Kundschaft gefallen würde. Der XC90 liefert schon beim ersten Anblick den Beweis, dass Volvo im elitären Verein der Premiumhersteller nicht nur angekommen, sondern auch gleich an die Spitze gefahren ist. Die Schweden schaffen es, trotz der riesenhaften Ausmaße, ein relativ unaggressiv wirkendes SUV auf die Räder zu stellen. Vor dem XC90 braucht sich niemand zu fürchten und auch seine Fahrer gehören wohl meistens eher zu den eher kunstsinnig-entspannten Typen, als zu den „Jetzt-komm-ich-und-fresse-dich-wenn-du-dich-nicht-sofort-verdünnisierst!“-Typen.

Edles Schwarz-Metallic, verbrämt mit feinem Chromzierat und extra-großen Leichtmetallrädern, dazu noch die üppige Inscription Rundum-glücklich-Ausstattung inklusive der super-wertigen hellbraunen Leder-Echtholz-Innenausstattung.
Diese Konfiguration sollte in vielen Fällen den Nerv der angepeilten Kundschaft treffen. Dass dann auch die Qualitätsanmutung vom Feinsten ist, ist selbstverständlich. Das Interieur ist eine Freude für alle Sinne, während der Duft der verarbeiteten Lederhäute die Nase umschmeichelt, freuen sich die Finger über haptische Glücksgefühle bei jeder Berührung – und fürs Herz gibt es liebevolle Details, wie die kleinen Schwedenflaggen an den Sitznähten. Der gebotene Materialmix ist schlicht und ergreifend grandios – da schmiegt sich feinst verarbeitetes Holz an kühles poliertes Metall und handschuhweiches, perforiertes Leder – viel besser geht´s nicht.

Die Infotainment-Bedienung läuft hauptsächlich über den hochkant stehenden Touchscreen. Volvo-Novizen werden wohl ein paar Minuten für die Einschulung einplanen müssen, hat man das System aber einmal durchgespielt, findet man sich recht schnell damit zurecht. Es darf jedenfalls gewischt und getoucht werden – auch die Temperatur lässt sich über den Monitor regeln – vielleicht das einzige bedien-technische Makel. Unterhalb des Bildschirms platziert Volvo auch ein paar Tasten – Scheibendefrost, Heckscheibenheizung und über einen besonders leckeren, fein klickenden Drehknopf die Lautstärkenregelung der ebenso leckeren Harman-Kardon-Anlage. Falls dann doch etwas fehlt, so kann das in den meisten Fällen über die Aufpreisliste bestellt werden.

Volvo-typisch. Über den stehend eingebauten Touchscreen wird das Infotainment bedient.

Gestartet wird der Volvo per Drehknopf zwischen den Sitzen – der dürfte zwar ergonomisch betrachtet ein Stückerl weiter vorne platziert sein – aber auch dieser Ablauf geht schnell in Fleisch und Blut über. Davor befindet sich der Wählhebel der feinen Wandlerautomatik – dieser ist neuerdings deutlich kleiner dank elektronischer Shift-by-Wire-Funktion. Damit werden die Fahrstufen ohne erhöhten Kraftaufwand per Fingerdruck eingelegt. Dass der Motor bereits läuft, fällt am Stand gar nicht so auf – die üppige Geräuschdämmung macht ihren Job sehr gut. Erst beim Anfahren wird leises Diesel-Knuspern hörbar.

Dank aufwändiger Luftfederung schwebt der XC90 mehr, als er fährt. Komfort wird GROSS geschrieben – dennoch bleibt die Fahrpräzision in keinem Moment außen vor. Da gibt´s kein Wanken oder Schlingern – der Volvo fährt sich hochpräzise, nicht zuletzt dank der fein abgestimmten Lenkung. Stress kommt nie auf, irgendwie fällt der Ruhepuls des Fahrers schon beim Einsteigen um rund zehn Schläge. Dementsprechend ruhig wird der große Volvo auch bewegt. Hat man es dann doch mal eilig, wird auch der Vierzylinder-Diesel akustisch vorstellig – absolute Feinspitze werden dann wohl nach zwei weiteren Zylindern schreien.

Das Mildhybrid-System fällt hauptsächlich in der Stadt auf – das Start-Stop-System läuft im XC90 absolut homogen – klarerweise ohne Startergeräusch und blitzschnell. Die Versuchung das System auszuschalten kommt eigentlich nie auf – es stört schlicht und ergreifend nicht, wie es in vielen anderen Autos der Fall ist. Ob der XC90 B5 jetzt dank Elektrounterstützung schneller beschleunigt oder durchzieht wie der Vorgänger ohne Mildhybrid wird man höchstwahrscheinlich nur im direkten Vergleich spüren – die Unterschiede sind für Olaf-Normal-Volvofahrer eher marginal. Dasselbe beim Verbrauch – der Verbrauchsvorteil des B5 wird wohl eher vom Fahrer abhängen – wer sparsam fährt, erntet brave Verbräuche. Die liegen zwar deutlich über den Werksangaben (Testschnitt 8,5 Liter Diesel / 100 km), wenn man aber bedenkt, was man da für ein Trumm SUV durch die Gegend bewegt, relativiert sich dieser Wert.

Unterm Strich verfolgt Volvo konsequent den eingeschlagenen Weg – man muss den Schweden zugute halten, dass sie das Ganze mit dem richtigen Schuss Gelassenheit und ohne Stress machen. Das passt alles ganz hervorragend zu den hochwertigen Fahrzeugen, die ebenfalls diese Gelassenheit ausstrahlen und so nebenbei auch noch eindrucksvoll aufzeigen, wie Premium aussehen muss.

Daten Fakten / Volvo XC90 B5 Mild Hybrid Diesel AWD
Motor: 2.0-Liter-4-Zylinder Turbodiesel mit Mildhybrid-System
Leistung: 235 PS
Testverbrauch: 8,5 Liter Diesel / 100 km
Preis: ab EUR 67.119 Euro