Anfang März ging ein Aufschrei durch die Medien, als VW-Chef Herbert Diess die Abkehr von der Erdgas-Technik verkündete um stattdessen den Elektroantrieb noch mehr zu forcieren.

Vor rund 120 seiner Manager hatte Herbert Diess unmissverständlich verlautbart, dass Investitionen in die Brennstoffzelle und andere alternative Antriebe nur auf Grundlevel erfolgen werden.

„Wir brauchen die volle Konzentration auf den Durchbruch der Elektromobilität“
Volkswagen-Chef Dr. Herbert Diess.

Volkswagen müsse der Gefahr entgegenwirken, sich bei seiner Fahrzeugentwicklung zu verzetteln. Freilich weiß auch der VW-Vormann, dass die Fokussierung auf Batterieantriebe ihre Tücken hat. In der jüngsten Vergangenheit mussten einzelne Hersteller mangels Verfügbarkeit von Batteriezellen bereits Pkw-Auslieferungen drosseln.

„Compressed Natural Gas“ (CNG) gilt nach einem ADAC-Vergleich als umweltverträglichster fossiler Brennstoff. Darüber hinaus gibt es verschiedene Verfahren, den hauptsächlich aus Methan bestehenden Energieträger synthetisch herzustellen. Noch vor wenigen Monaten hatte Volkswagen bei einer Veranstaltung in Berlin eine Passat-Limousine vorgestellt, die als CNG-PHEV Erdgas- und Elektroantrieb miteinander verbindet. Doch offensichtlich standen die Entwicklungskosten für den Prototypen in keinem Verhältnis mehr zur Akzeptanz von Erdgas-Anrieb am Markt. Zuletzt bot der Konzern in verschiedenen Marken 19 CNG-Modelle an. Allerdings wurden in den vergangenen Jahren weltweit nur 110.000 Autos davon verkauft.

Obwohl gleich darauf medial zurückgerudert wurde, bleibt ein schaler Beigeschmack. Wie es nun wirklich weitergeht mit CNG, kann niemand voraussagen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer wurde nun aber von Skoda präsentiert – der neue Octavia G-Tec.

Die tschechische VW-Erfolgstochter will außerdem auch in den kommenden Jahren forciert CNG-getriebene Fahrzeuge anbieten. Mit Erdgas-Antrieb sind aktuell der Scala und der Kamiq erhältlich, der Octavia G-Tec folgt im zweiten Halbjahr 2020. Mit Biomethan ist ein bis zu 90 Prozent, mit synthetischem Gas sogar ein zu 100 Prozent klimaneutraler Betrieb möglich. Die Fahrzeuge sind zusätzlich zu den CNG-Tanks mit einem neun Liter fassenden Benzintank unterwegs.

Der neue Skoda Octavia G-Tec verfügt über einen 1,5 Liter großen Vierzylinder-TGI-Motor mit 130 PS (96 kW). Seine drei CNG-Tanks haben zusammen eine Kapazität von 17,3 Kilogramm. Damit kann er im CNG-Betrieb bis zu 480 Kilometer zurücklegen. Der 1,0-Liter-TGI im Scala G-Tec und im Kamiq G-Tec leistet 90 PS (66 kW). Bei beiden Modellen haben die drei CNG-Tanks eine Kapazität von 13,8 Kilogramm, was beim Scala und Kamiq im Erdgasmodus für eine Reichweite von rund 410 Kilometern sorgen soll.

Skoda Octavia G-Tec.Für den Betrieb mit Erdgas erhielt der 1,0-Liter-G-Tec-Motor gegenüber dem Basistriebwerk andere Ein- und Auslassnocken, einen überarbeiteten Zylinderkopf, ein neues Saugrohr sowie spezielle CNG-taugliche Einblasdüsen und besonders temperaturresistente Auslassventile. Dazu reduziert ein elektronischer Regler in zwei Stufen den Gasdruck: Zunächst wird der Druck in den Tanks per mechanischer Drosselung von 200 bar auf rund 20 bar herunter geregelt. In einer zweiten Stufe wird er über ein Magnetventil auf den im Niederdrucksystem herrschenden absoluten Arbeitsdruck zwischen neun und fünf bar gesenkt.

Beim 1,5-Liter-G-Tec-Motor sind die Modifikationen ähnlich. Zudem ist er auf eine hohe Verdichtung von 12,5:1 ausgelegt und arbeitet im sogenannten Millerzyklus, bei dem die Einlassventile im Verdichtungstakt länger geöffnet bleiben. Für Ladedruck sorgt ein Turbolader mit variabler Turbinengeometrie.