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Voll gegen die Wand…?

Das Jahr 2018 hatte es in sich: Vorstandsdirektoren aus der Autobranche im Gefängnis, die Stickoxid- und CO2-Vorgaben grenzen an Extremismus und der Dieselmotor steht unter Dauerfeuer. Man fragt sich: Geht’s jetzt im Sturzflug gegen die Wand oder darf man doch vorsichtigen Optimismus hegen?

Bleiben wir mal beim Optimismus. Das Jahr 2019 wird uns einige tolle Markteinführungen bescheren. Unter anderem entlässt Volkswagen den Golf in die mittlerweile achte Generation. Peugeot bringt im Herbst den 208 neu – wie von Peugeot gewohnt als Diesel, Benziner und sogar als E-Mobil – und beim derzeit ein wenig gebeutelten Premiumhersteller Audi freut man sich auf den frischen A3, während Seat mit einem völlig neu aufgestellten Leon im Kompaktsegment brillieren will und Skoda munter das SUV-Angebot mit einem kleinen Hochbeiner namens Kamiq erweitert. Wie hoch der Dieselanteil bei diesen Neuerscheinungen sein wird, wissen wir noch nicht – die Hersteller werden aber ganz sicher nicht komplett auf die Selbstzündertechnik verzichten. Alleine schon wegen der CO2 Vorgaben.

Vor kurzem noch hätte die Einführung eines neuen VW Golf alles überschattet. Doch 2019 wird für Wolfsburg vorrangig das Jahr der E-Mobilität: Dann geht nämlich die rein elektrisch angetriebene VW Sub-Marke ID an den Start. Ob für den neuen VW Golf da noch allzu viel Scheinwerferlicht übrigbleibt, bleibt abzuwarten. Leider ist noch nicht geklärt, ob es sich bei ID endlich um echte Volkswagen – sprich, die bezahlbare Elektromobilität für alle – handelt. Einen preisgünstigen E-Kleinwagen für die City haben wir bei VW jedenfalls momentan noch nicht entdeckt.

Das Geld rinnt derzeit in die E-Mobilität. Da werden Milliarden investiert und dementsprechend präsent wird uns dieses Thema auch medial zukünftig begleiten. Porsche steckt beispielsweise in den Taycan so viel Geld, dass der neue 911 beinahe zur Fußnote zu verkommen droht. Aus dem lukrativen Diesel-Segment hat man sich verabschiedet, da montiert man lieber den Vierzylinder Benziner des Golf GTI in den Macan – ob das ankommt, werden wir sehen.

Unter welchem Kostendruck man inzwischen im VW Konzern rechnet wenn es um konventionelle Autos geht, sieht man am Audi A1: Kein Diesel (SCR-Technik zu teuer), kein Dreitürer (braucht angeblich keiner), kein Allrad oder S1 (reines Randgruppenthema). Stattdessen redet man verstärkt von mehr oder weniger fiktiven Elektroautos. Jetzt rollt jedenfalls endlich der Audi e-Tron zu den Händlern – ein weiteres teures „Randgruppen-E-Mobil“. Dennoch sind die Wartezeiten auf den e-Tron ellenlang – anscheinend setzt sich langsam ein „Tesla-Verdruss“ durch.

Die Zukunft der Elektromarke Tesla steht auf des Messers Schneide.
Die Baustellen sind vielfältig: Das Model S ist inzwischen veraltet, das Model X ist und bleibt ein teures Nischenprodukt und das Model 3 leidet unter Qualitätsproblemen und ist weit vom ehemalig angekündigten Bestpreis entfernt. Und fast noch ärger: Auf den europäischen Märkten ist der Model 3 noch immer nicht richtig angelaufen, gleichzeitig bröckelt aber die Nachfrage in den USA schon wieder. Während dessen taucht am Horizont ein Model Y auf – irgendwie fehlt uns da der Glaube an das Gute. Vor allem, weil im Zuge dessen auch jede Menge Tesla-Stores zugesperrt werden.

Der Diesel verschwindet jedenfalls nicht so schnell.

BMW 320d xDrive

Bei BMW wird das Thema differenzierter dargestellt. Die Bayern lancieren zwar in Kürze Ihre Serienversion eines elektrifizierten X3, doch es gibt auch noch den neuen Dreier, den Siebener, den X5, den 8er und so weiter. Und alle haben eins gemeinsam: Auf Wunsch einen Dieselmotor aus Österreich unter der Haube. Ihren Dieselmotor lassen sich die Münchner jedenfalls nicht schlechtreden – und wir finden zurecht, und dies nicht nur weil auf den BMW Dieselmotoren groß „Made in Austria“ draufsteht. BMW hat beim Dieselantrieb in der Vergangenheit schlicht und ergreifend sauber gearbeitet und wird nach eigenen Aussagen auch noch bis 2030 darauf setzen.

 

Die Verunsicherung unter den Autofahrern ist und bleibt jedenfalls auch 2019 groß.
Keiner weiß, ob die längst blitzsauberen Benziner und Diesel in den europätischen Großstädten irgendwann verboten werden – vor allem in Deutschland ist die Situation noch immer mehr als undurchschaubar. Ob sich deshalb jemand bereitwillig in das Experiment Elektroauto stürzen wird, ist aber ebenso höchst unklar. Dabei ist die derzeitige Wahrnehmung der strombetriebenen Autos noch erheblich rosiger als die Realität. Dass die E-Mobilität unterm Strich viel teurer wird, dass sich längere Strecken nur mit deutlich höherem Zeitaufwand bewältigen lassen und dass die Ladeinfrastruktur auf absehbare Zeit völlig unzureichend ist und bleibt, wird sich 2019 wohl zunehmend herumsprechen. Dass diese erheblichen Zumutungen in Kauf genommen werden sollen, ohne dass irgendein tatsächliches Umweltproblem gelöst wird, beziehungsweise dass die Elektromobilität sich zunehmend selbst als Umweltproblem entpuppt, birgt erheblichen politischen Sprengstoff.

Unsere Prognose:

Noch heuer könnten wir eventuell erleben, dass die Politik gesichtswahrende Auswege aus einer selbsterzeugten Katastrophe zu suchen beginnt. Wer weiß, vielleicht gibt es auch eine kleine Diesel-Renaissance. Und wir sind sowieso der Meinung, dass die Zukunft nicht schwarz oder weiß sein wird, sie wird uns eine Vielzahl an sauberen und brauchbaren Mobilitätslösungen bringen. Jeder wird sich da wiederfinden und auch zufriedengestellt werden. Gefragt ist dann vor allem der Automobil-Vertrieb – auf den wird jede Menge Beratungsaufwand zukommen. Wir sind jedenfalls gespannt – und trotzdem guten Mutes.

Quelle: ampnet, Audi, BMW, Peugeot

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