Von ihrer Minivan-Statur hat sich die A-Klasse von Mercedes-Benz ja schon lange verabschiedet – vor einem Jahr wurde bereits die dritte, deutlich sportlicher gezeichnete Generation präsentiert. Wir gehen der Frage „Wie viel Mercedes steckt in der neuen A-Klasse?“ nach.

Unser Testwagen stellt nach dem kleinen nur 95 PS starken A 160d den „würdigsten“ Diesel-Einstieg in die Mercedes-Benz Palette dar. Nennt sich A 180d, liefert 116 PS und sieht in der vorliegenden Presse-Konfiguration (unter anderem inklusive Fahrassistenz-, Premiumpaket und AMG-Line) so gar nicht nach Basic aus. Würde hinten nicht die Modellbezeichnung drauf kleben, ginge der Tester auch als waschechter AMG-Renner durch. Freilich ohne dessen kernige Aussprache.

Der dominante Diamant-Grill, flankiert von gepfeilten LED-Scheinwerfern – darunter gierige Luftschächte. Die A-Klasse verfolgt hier klar die neue dynamische Mercedes Formensprache. Auch die Flanken laufen jetzt ohne verspielte Sicken klar nach hinten und münden in ein knackig-sportliches Heck mit angedeutetem Diffusor und den üblichen Auspuffblenden. Geerdet wird unser weißer Testwagen von 18-Zoll AMG Felgen – fein kontrastierend in Grau gehalten. Ebenso kontrastierend zeigt sich das riesige Glasdach – es lässt sich weit öffnen und angesichts der vorherrschenden Sommerhitze auch mittels blickdichter Jalousie wirkungsvoll beschatten.

Mercedes-Benz versteht es perfekt, seinen Fahrzeugen dieses spezielle „Mercedes Feeling“ mitzugeben.
Das ist auch bei der A-Klasse nicht anders und beginnt beim Klang der öffnenden Türschlösser, der „bissfesten Haptik“ der Bedieninstrumente oder auch beim Geruch – so ein Mercedes riecht einfach nach Mercedes. Auch lässt es sich Mercedes nicht nehmen, gewisse Schrullen weiter zu kultivieren – dazu gehört der übliche Wisch-Blink-Lichthup-Multifunktionshebel links am Lenkrad, der filigrane Automatikshifter rechts daneben oder die Verstellung der elektrischen Sitze in der Türverkleidung. In Zeiten der Gleichmacherei finden wir solche Gimmicks erfrischend und auch notwendig – Danke Mercedes!

Das Interieur ist einer der Höhepunkte des Mercedes-Benz A 180d. Hier wird jede Menge Design geboten, zum Beispiel die fünf spektakulären Lüftungsdüsen: drei zentral und jeweils eine außen. Das freistehende Display mit zwei 10,25-Zoll-Bildschirmen für vielfach einstellbare Anzeigen und das Infotainment schwebt fast dazwischen. Im unteren Bereich der Mittelkonsole bleibt noch Platz für diverse Klimaregler sowie ein Touchpad, auf dem man mit Schriftzeichen mit der A-Klasse kommunizieren kann. Sehr gut funktioniert die Spracheingabe – es reicht ein einfaches „Hey Mercedes“ à la Amazon Alexa – da gibt es qualitativ derzeit nur wenig Vergleichbares. Dies alles nennt sich MBUX (Mercedes-Benz User Experience) und versierte Smartphone Nutzer werden sich sofort heimisch fühlen. Vor der ersten Abfahrt sollte man sich halt eine halbe Stunde Zeit nehmen und sich sein Auto nach Belieben konfigurieren – aber auch das ist in Zeiten von iPhone & Co nichts Ungewöhnliches.

Kommen wir zum Wesentlichen – starten wir los. Der kleine 1,5 Liter Turbodiesel-Motor (OM 608) ist natürlich Euro6 D-temp komform – er verleugnet seine Arbeitsweise sogar in kaltem Zustand, läuft angenehm weich und leise. Angefahren wird ohne Verzögerung – auch das 7-Gang DCT-Getriebe macht seine Sache hervorragend – wechselt die Gänge fein verschliffen, nahezu unmerklich. Obwohl nur 115 PS anliegen, legt sich der A 180d zügig ins Zeug, dreht locker hoch und weckt dadurch keine Mangelerscheinungen, dies liegt wahrscheinlich auch an den gebotenen 280 Newtonmeter maximalen Drehmoment. Erst bei höheren Tempi wird klarerweise die Luft dünn – aber das ist verkraftbar. Die große Stärke des Motors liegt eindeutig bei der Effizienz – trotz weitgehend flotter Fahrweise lag unser Testverbrauch im Schnitt bei rund sechs Litern Diesel auf hundert Kilometer.

Das aufwändige Fahrwerk mit McPherson-Vorderachse mit Alu-Querlenker und Verbundlenker-Hinterachse kommt  mit dem kleinsten Diesel klarerweise nie an seine Grenzen, sowohl bei der Fahrdynamik als auch beim Komfort gibt’s nichts zu mäkeln. Die Lenkung ist super-präzise und sportlich direkt ausgelegt und auch der Geradeauslauf bei hohen Geschwindigkeiten sowie die damit einhergehende Langstreckentauglichkeit ist hervorragend.

Unser Fazit:

Selten wurde ein Autokonzept so konsequent eingestampft, wie das der Mercedes A-Klasse. Platz zu schaffen für eine neue, jüngere Käuferschicht, die auch in der Kompaktklasse sportlich unterwegs sein wollte, war das Ziel der Marketingstrategen. Die Absatzzahlen liefern jetzt die Erfolgskontrolle: Die heutigen Rekorde wären ohne die A-Klasse in ihrer jetzigen Form und ihre Derivate wahrscheinlich nicht denkbar.

Jung, dynamisch, modern und total vernetzt – vielleicht aber auch ein wenig glatter als die ursprüngliche Idee der A-Klasse. Genau das können wir der neuen Generation der Mercedes-Benz A-Klasse attestieren. Jedenfalls ist auch der A 180d ein echter Mercedes, nämlich ausgewogen und kompatibel mit dem Premium-Anspruch der Marke.

Daten Fakten Mercedes-Benz A 180d
Motor: 4-Zylinder Turbodiesel
Leistung: 116 PS
Drehmoment: 280 Newtonmeter
Testverbrauch: 6,1 Liter Diesel / 100 km
Preis: ab EUR 30.620,-