Aus dem rollenden Fossil wurde nun ein moderner Geländewagen am Puls der Zeit. Vor vier Jahren verabschiedete sich der Land Rover Defender nach immerhin 71 Jahren aus der Modellpalette der Marke. Ausgerechnet der strenge EU-Fußgängerschutz besiegelte damals das Ende des urigen Geländegängers, der am Ende seiner Laufbahn zu einer Art rollendem Fossil mutiert war. Doch das hinderte seine eisernen Fans nicht, sein Ableben zu beklagen und die Verkaufszahlen trotzig bis zum endgültigen Produktionsende noch einmal kräftig nach oben zu treiben.

Damals hatte bereits die Entwicklung eines Nachfolgers begonnen, der im kommenden Frühjahr in den Verkauf rollen wird. Wobei „Nachfolger“ vielleicht ein wenig weit hergeholt ist, denn der Neue trägt zwar den Namen des Klassikers und besitzt auch die für Land Rover typischen Eigenschaften im Gelände, doch da endet auch schon die Gemeinsamkeit. Der Defender ist ein vollkommen neues Modell und rollt im Gegensatz zu seinem Vorgänger beim Design und Technik auf der Höhe der Zeit daher.

 „Der neue Defender erweist der Vergangenheit Respekt, aber er lässt sich nicht von ihr fesseln.“
Gerry McGovern, Design Direktor bei Land Rover

Der Defender kommt mit einem erfrischend knackigen Design zu den Kunden, reiht sich aber trotzdem nahtlos in die Designsprache der Marke ein. Die kurzen Überhänge vorne und hinten ermöglichen sehr gute Böschungswinkel, und die bewusst auf das Wesentliche reduzierten Scheinwerfer und Heckleuchten sollen die Erinnerung an den Klassiker wecken. Auch die seitlich angeschlagene Hecktür und der hinten befestigte Reservereifen nehmen die praktischen Eigenschaften des Ur-Defender auf.

Im Innenraum müssen sich die Defender-Freunde an eine bisher dort nicht angetroffene Eigenschaft gewöhnen: Komfort. Vorbei sind die Zeiten, wo man mit offenem Seitenfenster fuhr, da der linke Ellbogen immer gegen die Blechverkleidung der Tür schlug. Der Defender kommt jetzt mit üppigen Platzverhältnissen und edlen Materialien zu den Kunden. Die Türen schließen jetzt mit einem „Plop“ anstelle eines blechernen „Peng“. Im Innenraum erinnern allerdings die verschraubten Türverkleidungen und leicht zu reinigende Materialien an die glorreiche Vergangenheit.

Der Land Rover kommt zunächst als 110 mit langem Radstand (drei Meter) und einer Länge von 4,75 Metern auf den Markt. Die Version 90 (4,30 Meter) folgt später. Beide Varianten können mit einem dritten Sitz vorne geordert werden, so dass dann sechs oder sieben Erwachsene im 110 Platz finden. Wird er nicht gebraucht, verwandelt sich der Mittelsitz in eine Konsole mit großzügigen Armlehnen. Auch die edle Audioanlage ist eine radikale Abkehr vom einfachen Radio früherer Zeiten.

Der Land Rover Defender basiert auf einer leichten Aluminium-Monocoque-Konstruktion und besitzt, so die Werksangaben, die steifste Karosseriestruktur, die Land Rover jemals entwickelt hat. Sie bildet die Grundlage für die Einzelradaufhängung mit Luft- oder Schraubenfederung sowie für elektrifizierte Antriebe. Neben einem milden Hybrid mit 48-Volt-Anlage wird im Laufe des kommenden Jahres ein Plug-in-Hybrid nachgeschoben. Nicht nur die Komfortwerte sind für die hartgesottenen Defender-Fans gewöhnungsbedürftig, die neue Generation des Klassikers kommt auch mit allen denkbaren Konnektivitätslösungen zu den Kunden.

„Der Defender ist ständig online und immer connected“

Zur Markteinführung stehen vier Triebwerke bereit. Die Dieselfraktion bildet ein 2,0-Liter-Vierzylinder mit 200 PS oder 240 PS. Der 2,0-Liter-Benziner leistet 300 PS (221 kW), und als Topmotorisierung steht ein 400 PS (294 kW) starker Sechszylinder in der Preisliste. Die Kraft wird über eine Acht-Gang-Automatik an die vier angetriebenen Räder übertragen. Ob in Zukunft auch eine schwächere Motorisierung angeboten wird, steht noch nicht fest.

Quelle: ampnet/ww