„Vorsprung durch Technik“ – Wie oft wohl wird Audi diesen Slogan wohl schon verflucht haben? Er hat sie seit Anfang der Siebziger immer wieder leicht unter Zugzwang gesetzt.

Vor allem wenn sie einmal keinen Vorsprung hatten, weil andere technisch fortschrittlicher oder im Markt erfolgreicher waren. Mit der neuen Generation des A6 holen die Ingolstädter zum Dreifachschlag aus: Design, Technik und Digitalisierung sollen wieder einen gehörigen Abstand zum Wettbewerb aus München und Stuttgart herstellen.

Stichwort Design: Längenwachstum ist in der gehobenen Mittelklasse quasi Pflicht. Dennoch blieb der Audi A6 seiner Länge von knapp fünf Metern treu. Erhalten blieb auch die bekannt elegante gestreckte Silhouette des A6. Äußerlich ist der A6 sofort als solcher erkennbar – ein zarter Hüftschwung und scharfe Lichtkanten zieren das neue Modell. Audi Fans werden nicht enttäuscht. Der Single-Frame Grill wurde wieder leicht modifiziert – die Sensoren für das Abstandsradar könnten auch als integriertes Blaulicht durchgehen.

Das Interieur kennen wir bereits vom Audi A7. Drei Touchscreens dominieren die Szene – die wichtigsten Funktionen werden gottseidank über normale Schalter geregelt. Was sollen wir sagen: Einfacher wurde die Bedienung nicht – dafür ist der Innenraum jetzt um Welten stylisher. Die weitgehende Abwesenheit von Ablagen verblüfft ein wenig – zwei Dosenhalter und ein flaches Fach in der Armlehne – das war‘s in der Mittelkonsole. Ansonsten alles wie von Audi gewohnt – also perfekt-edle Optik und super-solide Verarbeitung. Das Kofferraumvolumen liegt übrigens jetzt bei 530 Litern, obwohl dort noch Platz für eine zusätzliche Batterie geschaffen werden musste. Was uns zur Technik bringt.

Die Lithiumionen-Batterie im Heck gehört zum Mild-Hybrid-System, welches bei allen Sechs-Zylinder-Motorisierungen eingebaut wurde. Die Batterie ist Teil einer 48-Volt-Insel an Bord, in der der Startergenerator arbeitet. Der lädt die Batterie beim Verzögern, leistet rund 16 PS und ermöglicht das „Segeln“ des A6 mit abgekoppeltem Motor über maximal 40 Sekunden.

Unser Audi A6 50 TDI Testwagen leistet stämmige 286 PS und schupft  620 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle. Auch beim A6 überzeugt der TDI nicht nur, weil er den aktuellen Abgasnormen entspricht und somit super sauber ist, die Kombination aus hohem Drehmoment und Automatik gelingt dem Sechszylinder annähernd souverän.

Stichwort Digitalisierung: Ein normales 12-Volt-Bordnetz gibt es auch noch, es versorgt bis zu 39 Fahrer-Assistenzsysteme. Natürlich achtet der A6 auf Abstand, hält die Fahrspur ein, bremst automatisch und hat das komplette Umfeld im Blick. Hinter den umfangreichen Assistenzsystemen steht das sogenannte zentrale Fahrerassistenzsteuergerät. Es errechnet aus allen Sensordaten permanent ein detailliertes Abbild der Umgebung. In der höchsten Ausbaustufe umfasst das Sensor-Set des Audi A6 bis zu fünf Radarsensoren, fünf Kameras für sichtbares Licht und eine Infrarotkamera für den Nachtsichtassistenten, zwölf Ultraschallsensoren sowie einen Laserscanner. Was hinter den Kulissen des A6 abgeht, lässt sich nach dem Drücken des Startknopfes und der danach anfallenden Systemstartzeit erahnen.

Bleibt die Frage zu beantworten: Ist der Vorsprung wieder da? Der Audi-Fan wird jedenfalls zufrieden sein. Für ihn wird der A6 immer die beste Limousine der Welt in der gehobenen Mittelklasse sein. Aber auch der Premium-Mitbewerb schläft nicht. Über deren Vor- und Nachteile ließe sich lange streiten.

Daten Fakten
Audi A6 50 TDI quattro
Motor: V6-Turbodiesel
Hubraum: 2967 ccm
Leistung: 286 PS
Drehmoment: 620 Nm bei 2250 – 3000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (abgeregelt)
0 auf 100 km/h: 5,5 Sek.
Testverbrauch: 6,5 Liter
CO2-Emissionen: 142 g/km / EU 6
Basispreis: ab 69.255 Euro